Diskussionsveranstaltung mit Helmut W. Rüeck MdL in Güglingen

Den Themen Pflege und selbstbestimmtes Leben im Alter kommt mit dem voranschreitenden demografischen Wandel eine immer größere Bedeutung zu. Dies zeigte sich jetzt auch bei einer Informations- und Diskussionsveranstaltung der CDU-Landtagsabgeordneten Friedlinde Gurr-Hirsch in Güglingen. Der „Pavillion“ der Seniorenwohnanlage Gartacher Hof war bis auf den letzten Platz besetzt, als die Landtagsabgeordnete mit ihrem Kollegen zur Diskussion über Pflegethemen einlud. „Wir alle können einmal auf Pflege angewiesen sein, weshalb es wichtig ist, heute schon die richtigen Weichen zu stellen. Die Zahl der Pflegebedürftigen wird in den nächsten Jahren von heute 250.000 um etwa 30 Prozent auf 320.000 im Jahr 2030 steigen“, leitete die CDU-Politikerin in die Thematik ein. Helmut W. Rüeck, CDU-Abgeordneter aus Schwäbisch Hall, ist Vorsitzender der Enquete-Kommission „Pflege in Baden-Württemberg zukunftsorientiert und generationengerecht gestalten“ im Landtag. Die Kommission befasste sich in den letzten Jahren parteiübergreifend mit den komplexen Teilaspekten des Themas. Zunächst begrüßte jedoch der Güglinger Bürgermeister Klaus Dieterich die Gäste und legte die Sicht der Kommunen dar: „Koordination, Planung und Vernetzung von Angeboten der Pflege sollten vermehrt von der kommunalen Ebene mitgestaltet werden. Durch eine stärkere Einbindung der Kommunen kann eine gleichwertige Pflegeversorgung in ländlichen wie in städtischen Gebieten sichergestellt werden“. Dies sei für die grundlegende Struktur einer zukunftsorientierten Pflege unerlässlich. 
Helmut W. Rüeck stimmte den Forderungen des Rathauschefs umfänglich zu und schilderte in seinem Vortrag die Forderungen, die die CDU-Fraktion aus der Arbeit der Enquete-Kommission ableitete. Es gelte, differenzierte und passgenaue Lösungen für die unterschiedlichen Themen zu finden. Die zentrale Herausforderung für die Pflege der Zukunft liegt, wie Rüeck erläuterte, beim Personal. Schon heute mangele es an qualifizierten Pflegekräften, was sich auch in Zahlen erschreckend deutlich ausdrücken lässt: auf 1000 ausgeschriebene Stellen kommen weniger als 130 Bewerber. Die Personalsituation bei den Pflegediensten sei deshalb angespannt, was auch zu einer hohen Arbeitsbelastung der einzelnen Mitarbeiter führe. „Wir müssen in der Personalgewinnung neue Wege gehen und dabei auch auf weitere Besonderheiten des demografischen Wandels eingehen“, folgerte der Vorsitzende der Enquetekommission.
Der Bundesfreiwilligendienst und das Freiwillige Soziale Jahr sollten, wie Rüeck betonte, dazu genutzt werden, auch Männer verstärkt für den Pflegeberuf zu gewinnen. Ganz allgemein müsse die Attraktivität des Berufsfelds gesteigert werden – die generalistische Ausbildung sei ein erster Schritt dazu. Für leitende Positionen soll eine Akademisierung mit Augenmaß angestrebt werden, die die neuen Herausforderungen in der Pflege berücksichtigt. Grundlegendes Fundament bleibe jedoch immer noch die klassische Ausbildung. Auch unter Migranten solle in Zukunft noch mehr für Tätigkeiten in der Altenpflege geworben werden. Schließlich nehme auch unter den Mitbürgern, deren Wurzeln außerhalb Deutschlands liegen, die Pflegebedürftigkeit zu. Unter dem Stichwort ‚Kultursensible Pflege‘ werden verschiedene Maßnahmen in diesem Bereich zusammengefasst. 
In der anschließenden Diskussion, beteiligten sich auch die anwesenden Praktiker, die beruflich in der Pflege tätig sind. Friedlinde Gurr-Hirsch verdeutlichte noch einmal die Bedeutung, die das Thema für Sie habe: „Ein besonderes Anliegen ist für mich der Ausbau der Palliativpflege. Sowohl im Medizinstudium wie in der pflegerischen Ausbildung sollte sie fester Bestandteil werden.“ Die sogenannte Allgemeinde Ambulante Palliativversorgung will die CDU insbesondere dadurch stärken, dass die Pflegeheime diese Leistungen bei entsprechender Refinanzierung selbst erbringen können. 
Gegenüber den Pflegedienstleistern bestätigten Friedlinde Gurr-Hirsch und Helmut W. Rüeck, dass eine verlässliche Finanzierung die notwendige Voraussetzung für eine gelingende Zukunft ist. „Dazu gehört, dass ambulante Pflegedienste tarifbedingte Kostensteigerungen voll refinanziert bekommen und die Personalschlüssel an die Versorgungsrealität angepasst werden. Nur so können flexibel ausreichend Mitarbeiter eingestellt werden“, so Friedlinde Gurr-Hirsch.
 

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