Ärztliche Versorgung im ländlichen Raum

Veranstaltung der Landtagsabgeordneten Friedlinde Gurr-Hirsch in Bad Rappenau

Gerade in Gemeinden im ländlichen Raum nimmt die hausärztliche Versorgung für die immer älter werdende Bürgerschaft einen hohen Stellenwert ein und gilt zunehmend als wichtiger Standortfaktor. „Doch besonders auf dem Land werden Hausärzte rar. In Deutschland ist rund jeder fünfte von ihnen über 60 Jahre alt, in Baden-Württemberg sogar fast jeder dritte. Mangels Nachfolger müssen viele mittlere und kleine Kommunen bereits heute die Schließung von Praxen verkraften“, erläuterte Friedlinde Gurr-Hirsch im Rahmen einer Informations- und Diskussionsveranstaltung mit dem Geschäftsführer der Unternehmensgruppe ADK GmbH für Gesundheit und Soziales, Wolfgang Neumeister. Die Frage, wie neue Ärztinnen und Ärzte sprichwörtlich an Land gezogen werden können, sei daher dringlich.
 
„Auf den gesamten Landkreis Heilbronn bezogen können wir derzeit mit der hausärztlichen Versorgung zufrieden sein. Allerdings werden im Unterland circa 22 Prozent der niedergelassenen Ärzte ihre Praxis in den nächsten 5 Jahren abgeben“, so Wolfgang Neumeister. Auch in Bad Rappenau gebe es nach Aussage der CDU-Vorsitzenden Gabriele Zimmermann zunehmend Verbesserungsbedarf. Um sich über konkrete Auswirkungen der ärztlichen Versorgungssituation sowie über mögliche Problemlösungsansätze zu informieren, beteiligten sich viele Ärzte und Gemeinderäte aus der Region an der Veranstaltung. „Letztlich geht es darum, landesweit Chancengleichheit in der Versorgungssituation herzustellen und eine ausreichende Anzahl an Hausärzten in allen Kommunen des Landes langfristig sicherzustellen“, betonte der Mediziner Dr. Michael Preusch, der auch Vorsitzender des CDU-Stadtverbandes Eppingen ist.
 
Laut Wolfgang Neumeister gibt es vielfältige Lösungsansätze. So sei es zum Beispiel möglich, Hausarztpraxen als Außenstellen eines zentral gelegenen Medizinzentrums weiterzuführen oder Allgemein- und Fachärzte unter einem Ärztehausdach zu konzentrieren, um dadurch Verwaltungskosten einzusparen und teure Geräte gemeinsam nutzen zu können. Dafür sollen seiner Meinung nach auch Kommunen und Landkreise eine neue Gestaltungsrolle einnehmen und beispielsweise innerstädtische Praxisräume oder regionale Versorgungszentren zur Verfügung stellen. Friedlinde Gurr-Hirsch forderte darüber hinaus eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf sowie zeitliche Entlastungen und Teilzeitmodelle. „Dass bei diesen Dinge derzeit noch erheblicher Verbesserungsbedarf besteht, trägt hauptsächlich dazu bei, dass junge Mediziner zur Industrie oder ins Ausland abwandern“, betonte die Landtagsabgeordnete. Fast 70 Prozent der Absolventen eines Medizinstudiums seien weiblich. „Um diese hochqualifizierten jungen Ärztinnen muss sich gekümmert werden. Wir müssen sie durch Bürokratieerleichterungen und Standortverbesserungen dazu motivieren, in unseren attraktiven ländlichen Räumen zu praktizieren“, konstatierte Friedlinde Gurr-Hirsch abschließend.
 
MK

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