Inklusion umsichtig betreiben

Friedlinde Gurr-Hirsch besuchte Kaywaldschule in Lauffen a.N.

„Die Kaywaldschule ist eine äußerst vorbildliche Schule, die Kindern und Jugendlichen im Landkreis Heilbronn Bildung und Heimat bietet“, stellte die Landtagsabgeordnete Friedlinde Gurr-Hirsch gleich zu Beginn ihres Besuchs in der Landkreisschule für Kinder mit geistiger und körperlicher Behinderung fest. An der Besichtigung sowie am anschließenden konstruktiven Fachgespräch nahmen neben der Sonderschulrektorin Barbara Wittmann und ihrer Stellvertreterin Claudia Bay auch der Schul- und Kulturamtsleiter des Landkreises Heilbronn  Gerhard Dankel sowie weitere Vertreterinnen der Lehrerschaft teil.
 
Derzeit wird landesweit an Modellstandorten erprobt, was bald flächendeckend der Fall sein soll: die gemeinsame Beschulung behinderter und nicht behinderter Kinder. Dies geht zurück auf eine Konvention der Vereinten Nationen, die besagt, dass Regelschulen für Behinderte allgemein geöffnet werden müssen. Laut Friedlinde Gurr-Hirsch muss dies mit Maß und Mitte erfolgen. Für sie steht die Wahlfreiheit der Eltern im Mittelpunkt. Auf Grundlage qualifizierter Beratungen sollen diese frei entscheiden können, welche Schulart für ihr Kind die besten Bedingungen bietet. „Um dies zu ermöglichen, muss die Landesregierung den Fortbestand aller sonderpädagogischen Einrichtungen mit ihrer hervorragenden Fachkompetenz garantieren und sie zu Bildungs- und Beratungszentren weiterentwickeln. Inklusion ist kein Sparmodell. In der Summe wird Inklusion mehr kosten, da an den Inklusionsschulen zusätzliche Sozialpädagogen eingesetzt werden müssen und diese Schulen darüber hinaus auch entsprechend ausgestattet sein müssen“, konstatierte die CDU-Politikerin.
 
Nach Meinung der Landtagsabgeordneten ist die weltweite Umsetzung der Inklusion ein wichtiger Schritt zur Steigerung der Wertschätzung von Behinderten. „Allerdings ist der Besuch einer Regelschule nicht für alle behinderte Kinder und Jugendliche die beste Lösung. Viele Behinderte können sich in den gemäß ihren Bedürfnissen vorteilhafter ausgestatteten Sonderschulen und unter der Begleitung von Sonderschulfachkräften besser entwickeln als im großen Klassenverband einer Regelschule“, so Gurr-Hirsch. Für Körperbehinderte sei dagegen der Besuch einer Regelschule häufig sinnvoll. „Dadurch werden sie besser in unsere Gesellschaft integriert. Zudem lernen unbehinderte Schülerinnen und Schüler dadurch einen natürlichen Umgang mit Kindern mit Behinderungen, was zum Aufbau sozialer Kompetenz beiträgt“, hob die CDU-Parlamentarierin hervor. Für Barbara Wittmann ist Inklusion letztlich erst vollständig erreicht, wenn die ersten Eltern ihre nicht behinderten Kinder an Sonderschulen anmelden.
 
Gerhard Dankel lobte im Rahmen des Austauschgesprächs insbesondere die erstklassige Arbeit der Lehrkräfte und Betreuer an den Kreissonderschulen im Landkreis Heilbronn. Diese haben sich seiner Aussage zufolge in den letzten Jahrzehnten hervorragend entwickelt und fortwährend die individuellen Probleme und Bedürfnisse der Behinderten in den Mittelpunkt ihres Handelns gestellt. Dazu trugen auch die Mitglieder des Kreistages bei, die sich stets für eine sehr gute Ausstattung der Kreissonderschulen einsetzten und diese in den letzten Jahren ertüchtigten, so dass bei der Beschulung der Kinder und Jugendlichen mit geistiger und körperlicher Behinderung auch auf graduelle Unterschiede in den Behinderungen eingegangen werden kann.
 
MK

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