Podiumsdiskussion in der Südwestmetall-Geschäftsstelle in Heilbronn

Für ein Hochtechnologieland wie Baden-Württemberg muss die Bekämpfung des Fachkräftemangels höchste Priorität besitzen. Bereits heute fehlen an den baden-württembergischen Unternehmen rund 22.000 Ingenieurinnen und Ingenieure. Um diese Lücke zu schließen, ist es wichtig, die Zielgruppe der Frauen verstärkt in den Blick zu nehmen. Denn derzeit entscheiden sich nur acht Prozent der Schülerinnen in Baden-Württemberg für eine Ausbildung in einem technischen oder naturwissenschaftlichen Beruf. Unter den zehn beliebtesten Ausbildungsberufen bei Mädchen ist nach wie vor kein einziger MINT-Beruf. Auch bei den weiblichen Studierenden ist der Anteil von Frauen in MINT-nahen Studiengängen mit 27,7 Prozent nach wie vor gering. Dabei gibt es neurobiologisch keine Erklärung dafür, dass sich Mädchen und Frauen weniger für Technik interessieren als Jungs und Männer.
 
Die Ursachen für diese Diskrepanz liegen woanders. Wie wir aufwachsen, wie wir erzogen werden und welche Vorbilder uns prägen, sind entscheidend für unseren beruflichen Werdegang. Das heißt, dass wir auch hier ansetzen müssen, um mehr Frauen für MINT zu gewinnen. Eine solche Herkulesaufgabe kann nur erfolgreich bewerkstelligt werden, wenn Politik, Wirtschaft und Gesellschaft an einem Strang ziehen. 
 
Die CDU-Landtagsfraktion stellt sich dieser Herausforderung und nimmt das Thema ernst. Gerade, weil wir für uns in Anspruch nehmen, Wirtschaftspolitik im Sinne von Standortpolitik zu betreiben, sind wir sehr darum bemüht, Mädchen und Frauen für MINT-Berufe zu begeistern. Dabei ist es von zentraler Bedeutung, auf verschiedenen Ebenen anzusetzen. Der Girls Day ist sicherlich die deutschlandweit bekannteste Aktion, um für ein erweitertes Berufswahlverhalten bei Mädchen zu werben. Auch zahlreiche baden-württembergische Unternehmen beteiligen sich daran. Als singuläre Maßnahme wäre er aber viel zu kurz gegriffen. Erst im Gefüge weiterer zahlreicher Projekte und Initiativen kann der Girls Day seine volle Wirkung entfalten. So muss bereits im Kindergartenalter damit begonnen werden, Kinder – und damit meine ich Mädchen und Jungen – an Technik und Naturwissenschaften heranzuführen. In der Schule ist es wichtig, dieses Bemühen nahtlos fortzusetzen. Auch in der Grundschule müssen Technik und Naturwissenschaften der jeweiligen Altersstufe entsprechend im Lehrplan verankert sein.In den weiterführenden Schulen sollte es dann verstärkt darum gehen, dass dieses bislang eher spielerisch geförderte Interesse für Naturwissenschaften und Technik an Tiefe erlangt.
 
Damit noch nicht genug. Um die Frauen in den Blick zu nehmen, die sich für einen MINT-Beruf entschieden haben, diesen aber nach wenigen Jahren wieder aufgeben, ist es erforderlich, familiengerechtere Rahmenbedingungen zu schaffen. Gerade in den bislang männerdominierten MINT-Berufsfeldern ist eine gute Vereinbarung von Beruf und Familie häufig noch nicht in ausreichendem Maße gewährleistet. Die Folge davon ist, dass derzeit in Baden-Württemberg viele ausgebildete Ingenieurinnen nichtin ihrem erlernten Beruf arbeiten. Das ist ein großes Potential an Fachkräften, auf das wir nicht länger verzichten dürfen. Politik und Wirtschaft müssen daher auch weiterhin daran arbeiten, dass die Frauen, die im MINT-Bereich tätig sein möchten, dies auch realisieren können.
 
Die ersten Schritte zur Bekämpfung des Fachkräftemangels sind eingeleitet. Unternehmen und Politik haben das Problem erkannt und entsprechende Maßnahmen ergriffen. Es gilt nun, diesen Weg gemeinsam weiter zu verfolgen. Als Oppositionsfraktion werden wir uns im Rahmen unserer Möglichkeiten weiter für die Förderung von Frauen in MINT-Berufen einsetzen und der Wirtschaft als Dialogpartner gerne zur Verfügung stehen.

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