Anfrage der Landtagsabgeordneten Friedlinde Gurr-Hirsch zur häuslichen Gewalt in Familien mit Migrationshintergrund

Häusliche Gewalt hat vielfältige Erscheinungsformen. Dazu zählen Demütigungen, Beleidigungen und Einschüchterungen, aber auch psychische, physische und sexuelle Misshandlungen sowie Vergewaltigungen und Tötungen. Die Dunkelziffer ist hoch, besonders in Familien mit Migrationshintergrund. „Gerade im Bereich der häuslichen Gewalt ist aus Scham- und Angstgründen davon auszugehen, dass strafrechtlich relevante Sachverhalte von Menschen mit Migrationshintergrund oft nicht zur Anzeige gebracht werden“, betonte Friedlinde Gurr-Hirsch, die dazu eine parlamentarische Anfrage an die Landesregierung gestellt hat. Diese offenbart, dass die Tatverdächtigen bei Straftaten im Bereich der häuslichen Gewalt bei mehr als der Hälfte der aufgeklärten Fälle Ausländer waren bzw. im Ausland geboren wurden und deren Anzahl in den letzten Jahren sogar zugenommen hat. „Deshalb ist es wichtig, dass das unter CDU-geführter Landesregierung eingeführte Instrument des Platzverweises für gewalttätige Partner in Zukunft noch konsequenter genutzt wird“, so Gurr-Hirsch.
 
In der Regel entsteht häusliche Gewalt nicht durch eine, sondern infolge mehrerer zusammenwirkender Ursachen. Zu nennen sind insbesondere Armut und Arbeitslosigkeit, soziale Isolation und mangelnde Bildung sowie Krankheit und Alkoholismus. Dabei zeigen Studien zum Ausmaß der Gewalt in Ehe und Familie, dass Migrantinnen häufiger und stärker von Gewalt durch einen Lebenspartner betroffen sind als Einheimische.
 
Hilfe können Opfer wie auch Täter über psychologische Beratungsstellen und Erziehungsberatungsstellen erhalten. Dafür sind die Kommunen vor Ort zuständig. „Für den Landkreis Heilbronn haben Caritas, Diakonie und das Landratsamt in Heilbronn entsprechende Angebote geschaffen“, erläuterte Friedlinde Gurr-Hirsch. Speziell auf Menschen mit Migrationshintergrund ausgerichtete nachsorgenden Beratungsangebote für Opfer und Täter häuslicher Gewalt stehen allerdings nicht zur Verfügung. Sie können sich auch nur an die allgemeinen Schutz- und Hilfsstellen wenden.  
 
MK

Nach oben