Notfalldienst in Eppingen soll erhalten bleiben

Der Ärztliche Notfalldienst in der Katharinenstraße soll, geht es nach dem Willen der niedergelassenen Haus- und Fachärzte, bereits in wenigen Monaten aufgelöst werden. Einen entsprechenden Beschluss hierzu fassten die 52 Ärzte des ca. 75000 Einwohner umfassenden Einzugsgebietes. Vorbei wäre es dann im Raum Eppingen Mittwoch Nachmittags, an Wochenenden sowie an Feiertagen mit der Erreichbarkeit eines Hausarztvertreters in Eppingen sowie eines dort stationierten Hausbesuchsarztes. Um dies zu verhindern und die Bevölkerung zu informieren, hatte der Eppinger CDU-Stadtverband zu einem Informationsabend ins Hotel-Restaurant Villa Waldeck eingeladen. 60 Bürger zeigten ihr Interesse an diesem brisanten Thema, unter ihnen OB Klaus Holaschke, Friedlinde Gurr-Hirsch MdL und parteiübergreifend Vertreter aller politischer Parteien in Eppingen. In einem sehr informativen Referat zeigte der notfallmedizinisch versierte Arzt an der Uniklinik Heidelberg und zugleich neuer Eppinger CDU-Stadtverbandsvorsitzender Dr. Michael Preusch die Struktur, die Aufgaben sowie die zu erwartenden Folgen einer Schließung des Eppinger Notfalldienstes auf. Vom Notfalldienst unabhängig zu betrachten sei, so Preusch, der Notarztstandort / Rettungsdienst in Eppingen. Dieses System bliebe – zumindest auf absehbare Zeit – erhalten. Fehlen werde aber in diesem „Eppinger Modell“ die Mitübernahme der Hausbesuche durch den Notarzt in dessen einsatzfreier Zeit – ein Modell welches bisher in der Patientenversorgung des ländlichen Raumes beispielhaft war. Der Raum Eppingen werde dann überwiegend dem Bereitschaftsdienst Sinsheim zugewiesen, welcher dann über einen Einzugsbereich von circa 125.000 Einwohnern verfügt. Zu verlockend sei das Angebot des Bereitschaftsdienstes Sinsheim, den niedergelassenen Haus- und Fachärzten neben den Wochenenden auch die Bereitschaftsdienste unter der Woche abzunehmen, welche die Notfallpraxis Eppingen im Wesentlichen auch finanzierten. Dr. Michael Preusch: “Mit der Auflösung des Notfalldienstes steht in Eppingen die zeitnahe, ärztliche Versorgung auf dem Spiel“. Denn, so Preusch, die absolute Mehrheit der Patienten konnten bisher im Notfalldienst versorgt und behandelt werden, eine Krankenhauseinweisung sei nur in wenigen Fällen erforderlich gewesen. Schließlich gebe es im Lande noch Notfalldienste mit kleinern Einzugsgebieten als Eppingen. Leider entscheidet über die Organisation der Notfalldienste ausschließlich die KV, ohne dass die Gemeinden oder die Politik hierauf entscheidend Einfluss nehmen könnte. Die Organisationsform des Eppinger Notfalldienstes sei ein Pilotprojekt, welches bestens funktioniere und landesweit Beachtung hervorrief, hob Dr. Preusch hervor. Der Arzt wies darauf hin, dass die Eppinger CDU eine Unterschriftenaktion zur Erhaltung des Notfalldienstes ins Leben gerufen habe, an der sich innerhalb weniger Tage 2650 Bürger beteiligten. Diese beeindruckende Anzahl von Unterschriften überreichte OB Klaus Holaschke gemeinsam mit Manfred Staub (CDU) und Hartmut Kächele (SPD) zu Beginn der Ärzteversammlung im Villa Waldeck dem geschäftsführenden Arzt Dr. Dorschner mit der eindringlichen Bitte, den Auflösungsbeschluss nicht zu fassen sondern das Thema zu vertagen, um noch Gespräche mit der Stadt und politischen Vertretern führen zu können.
Landtagsabgeordnete Friedlinde Gurr-Hirsch meinte, es sei unglaublich, was man dem ländlichen Raum und der Großen Kreisstadt Eppingen hier zumute. Der Aufhebungsbeschluss zeige einmal mehr die Macht und Arroganz der Kassenärztlichen Vereinigung. Es müsse vielmehr einen runden Tisch aus Vertretern der Gemeinden und der KV geben.
Gurr-Hirsch “Das erfolgreiche Eppinger Konzept ist ein Präzedenzfall.“ Der Neckarsulmer Abgeordnete und Mediziner Dr. Bernhard Lasotta habe bereits Kontakt mit der KV aufgenommen.
Margarete Lang (CDU) betonte, alle Eppinger Parteien und Fraktionen im Gemeinderat versicherten, sich für den Erhalt des Notfalldienstes einzusetzen – zumindest eine Verschiebung des Aufhebungsbeschlusses müsse erreicht werden um in demokratischer Manier die Diskussion zu führen.
In seiner Ansprache zeigte sich OB Klaus Holaschke enttäuscht und sehr verärgert über den Stil von KV und Ärzteschaft. Es habe zuvor keine Information und kein Gespräch über die Problematik gegeben. Über die quasi vollzogene Auflösung des Notfalldienstes sei man völlig überrascht gewesen.  Auch in einem kurzfristig anberaumten Gespräch mit dem geschäftsführenden Arzt Dr. Dorschner sei keine Diskussionsbereitschaft zu erkennen gewesen. Die Stadt habe gar eine weitere finanzielle Unterstützung zugesagt. OB Klaus Holaschke: „Wir hatten noch nicht einmal die Gelegenheit,  mit den Ärzten hierüber zu reden. Schließlich müsse im Falle einer Auflösung des Notfalldienstes auch die geplante Zuordnung zur KV Nordwürttemberg / dem Bereitschaftsdienst Sinsheim überdacht werden, zumal mit den SLK Kliniken kompetente Partner im eigenen Kreis zur Verfügung stünden. OB Klaus Holaschke: „Die Ärzte haben sich verpflichtet, den Menschen vor Ort zu helfen. Und dies wollen wir einfordern.“
Über die nun vollzogene Auflösung des Eppinger Notfalldienstes zeigten sich die Zuhörer empört. Verständnis für diese Maßnahme und für den praktizierten Stil unter Verweigerung der Gesprächsbereitschaft von KV und der niedergelassenen Haus- und Fachärzte zeigte niemand.
 
Text: Manfred Staub
Foto: Renate Stephan

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