50 Frauen werden von Männern verwöhnt

Die Weiberzeche etabliert sich in Kleingartachs Festkalender

Was im Jahre 1607 in Kleingartach verboten wurde, feierte rund 400 Jahre später schwungvoll im heutigen Stil seine Renaissance – die Weiberzeche. Angeregt von Friedlinde Gurr-Hirsch, damals Staatssekretärin und heute Landtagsabgeordnete, füllten die Engagierten im örtlichen Heimat- und Kulturverein unter dem Vorsitz von Timo Maurer diesen alten Brauch mit neuem Leben und machten daraus einen geselligen Abend bei gutem Wein und deftigen Häppchen in der Kleingartacher Weinbaustube. Im vierten Jahr der Weiberzeche scheint es sich im Ort endgültig herumgesprochen zu haben, dass Frau hier entspannt unter ihresgleichen plaudern und feiern kann. Am Aschermittwoch war die Weinbaustube deshalb gut gefüllt mit Kleingartacherinnen aus allen Generationen. Auch aus den umliegenden Gemeinden waren Neugierige dazugekommen. Und: Weiberzeche-Patin Friedlinde Gurr-Hirsch reihte sich wieder gern in die Frauenrunde ein. „Ich finde den Brauch einfach sehr schön, außerdem genießen wir es, uns mal von den Männern bedienen zu lassen“, schmunzelte Jutta Uhland, Vorsitzende der Kleingartacher Landfrauen. In der Tat hatten sich Ortsvorsteher Friedhelm Ebert, Timo Maurer, Kopf des Heimatvereins, sowie die heimatkundlich Aktiven Gotthilf Sachsenheimer und Alexander Krysiak in den Farben derer von Leiningen rot-weiß gewandet und kredenzten dezent die guten Tropfen aus heimischen Reben. Große Reden über die Weiberzeche wurden keine mehr geführt. Schließlich ist es in Kleingartach inzwischen hinreichend bekannt, was es damit auf sich hat: „Im Strom- und Heuchelberggebiet ist die Weiberzeche ein alter Brauch, der bislang in neun Orten des ehemaligen Oberamts Brackenheim nachgewiesen werden konnte. In Botenheim, Cleebronn, Eibensbach, Häfnerhaslach, Kleingartach, Meimsheim, Nordheim, Ochsenbach und Spielberg wurde den Ehe- und Wittfrauen einmal jährlich auf dem Rathaus – auf Kosten der Gemeinde – Wein (knapp ein Liter pro Person) und Brot gereicht. Von diesen Weiberzechen ist die Kleingartacher die älteste bezeugte. Dort hatten die Frauen sogar eine Weiberfahne, die sie anlässlich ihrer Zeche auf dem Rathaus hissten. Am längsten hielt sich der Brauch in Ochsenbach, wo die Weiberzeche 1836 zum letzten Mal begangen wurde. Dabei ging es ausgelassen zu. Von kirchlicher Seite wollte man diesen Brauch deshalb auch immer wieder verbieten“, fand die Brackenheimer Historikerin Dr. Isolde Döbele-Carlesso heraus. „Heute lockt die Fahne am Verwaltungsgebäude“, lachte Besucherin Brigitte Grunert aus den Reihen der Landfrauen. „Und die Geselligkeit“, pflichtete ihr Doris Rupp bei. „Schließlich sieht man sich mal wieder. Das ist im Winterhalbjahr nicht selbstverständlich.“
 
Ein kleines Rahmenprogramm gab es dann doch: Die Kleingartacherinnen Hildegard Kühn und Monika Schweizer hatten befrackt und im Dirndl einen Schwank vorbereitet. Prinzessin Ramona II, gebürtige Kleingartacherin, und ihr Prinz Thomas I. von der Großen Karnevals-Gesellschaft Malsch hatten ihren Musik-Trolly im Schlepp und ein Akkordeon. Geschunkelt wurde in der Weinbaustube bis nachts um eins.

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