Gurr-Hirsch wirbt für bürgerschaftliches Engagement von Menschen mit Migrationshintergrund

Die Antwort der Landesregierung auf eine Anfrage der Abgeordneten Friedlinde Gurr-Hirsch offenbart einen erheblichen Unterschied beim ehrenamtlichen Engagement von Einheimischen und Menschen mit Migrationshintergrund. Während 42 Prozent der baden-württembergischen Bürgerinnen und Bürger ohne Migrationshintergrund ein Ehrenamt ausüben, sind es bei den Menschen mit Migrationshintergrund im Land nur 30 Prozent. Dabei sind ehrenamtliche Tätigkeiten bei Migranten in erster Linie nach innen gerichtet, das heißt, sie werden vorwiegend in Parallelgesellschaften ausgeübt. Vor allem in Hilfseinrichtungen wie der Feuerwehr oder dem Deutschen Roten Kreuz sind Menschen mit Migrationshintergrund so gut wie gar nicht vertreten. Die Datengrundlage hierfür liefert der sogenannte Freiwilligensurvey von 2009, der alle fünf Jahre von der Bundesregierung veröffentlicht wird. Diesem ist auch zu entnehmen, dass das freiwillige Engagement von Frauen mit Migrationshintergrund deutlich unter dem Wert der Männer liegt.
 
Hinsichtlich der Übernahme von Führungsaufgaben in den baden-württembergischen Vereinen und Funktion ist darüber hinaus bemerkenswert, dass Menschen mit Migrationshintergrund auch bei diesem Parameter schlechter abschneiden. Nur 27 Prozent aller engagierten Migrantinnen und Migranten haben eine Leitungs- und Vorstandsfunktion inne, während es bei den Einheimischen 32 Prozent sind.
 
Für Friedlinde Gurr-Hirsch besteht daher in Sachen Ehrenamt bei Menschen mit Migrationshintergrund erhebliches Ausbaupotential. „Ich bin davon überzeugt, dass bürgerschaftliches Engagement integriert, bildet und vernetzt. Deshalb handelt es sich dabei um einen wichtigen Baustein zur Integration dieser Menschen. Heimat ist da, wo ich mich in die Pflicht nehmen lasse“, konstatierte die CDU-Politikerin. Um langfristige Verbesserungen zu erzielen und die Unterschiede im Engagement von Einheimischen und Zugewanderten zu überwinden, müssen ihrer Meinung nach insbesondere Kinder und Jugendliche aus Migrantenelternhäusern verstärkt für ehrenamtliche Tätigkeiten gewonnen werden.
 
Für die Landtagsabgeordnete ist das bürgerschaftliche Engagement von Menschen mit Migrationshintergrund schon lange ein wichtiges Thema, weshalb sie in ihrer Funktion als Vorsitzende des Blaskreismusikverbandes Heilbronn eine Umfrage zu ausländischen Vereinsmitgliedern startete. Der Rücklauf war überaus zufriedenstellend. Mehr als 50 Musikvereine haben den Fragebogen beantwortet und sich dabei mehrheitlich für eine Vertiefung dieser Thematik ausgesprochen. Deshalb nehmen die Besonderheiten in einer Vereinsmitgliedschaft von Migranten bei der Jahreshauptversammlung des Blasmusikkreisverbandes Heilbronn am 3. März 2012 in Brackenheim einen bedeutenden Stellenwert ein. Dazu wurde auch die Integrationsministerin Bilkay Öney eingeladen, die von ihrem Ministerialdirektor Manfred Stehle vertreten wird.
 
Gerne hätte Friedlinde Gurr-Hirsch der Ministerin persönlich vor Ort Möglichkeiten zur Schaffung von neuen Strukturen zur Akquise und Unterstützung von ehrenamtlich tätigen Menschen mit Migrationshintergrund aufgezeigt. „Ich trete dafür ein, dass die beim Sozialministerium angesiedelte Stabstelle Bürgerengagement und Freiwilligendienste sich explizit um die Thematik Migranten im Ehrenamt kümmert und dies als eigenständiges Handlungsfeld definiert“, betonte Gurr-Hirsch.
 
MK

Nach oben