Auf Initiative von Frau Staatssekretärin Friedlinde Gurr-Hirsch trafen sich Vertreter des Arbeitskreises Landwirtschaft  der CDU-Landtagsfraktion und der Ortsbauernverbände zu Vortrag und Diskussion im Gräflich Neippergschen Schloss Schwaigern.

 

Referent war CDU-Landtagsabgeordneter Dr. Patrick Rapp, dessen griffige Bonmots bisweilen für ein Schmunzeln sorgten und elegant über Entwicklungen hinwegtrösteten, deren Prognosen wenig Raum für Hoffnung lassen. Als entscheidenden Schritt zur Bekämpfung einer drohenden „Katastrophe in Zeitlupe“ nannte Patrick Rapp ein konsequentes Vorgehen gegen den „ökologischen Ablasshandel“. Bei den rund ein Dutzend zählenden Fachleuten aus den thematisch orientierten Verbänden und Arbeitskreisen trat der promovierte Forstwissenschaftler bei Vortrag und Diskussion mit dieser Forderung freilich offene Türen ein. Es reiche eben nicht, sich mit dem Erwerb von mit Biosiegeln wie FSC (Forest Stewardship Council) zertifizierten Produkten zufriedenzugeben. „Achtzig Prozent der Konsumenten wollen Bio, lediglich fünf Prozent kaufen auch diese Produkte“, beklagte Rapp allgemein die fehlende Wertschätzung von Konsumgütern. Dies gelte auch für forstliche Produkte. Mit Billigholz aus Karelien und Südamerika etwa verschaffe gnadenloses Preisdumping in der holzverarbeitenden Industrie nicht nur Wettbewerbsvorteile, sondern hinterlasse auch einen verheerenden ökologischen Fußabdruck.

Welche Perspektiven also weisen aus dem Dilemma zwischen Marge und Ökobewusstsein, zwischen „Green Deal“ und Profitmaximierung? Hier empfahl Rapp vor allem Kontinuität in der Forstwirtschaft und die Definition der Nachhaltigkeit als ein dynamischer Prozess. Da ist etwa der Baumsamen, der vor drei Generationen sich sorgender Waldbesitzer als Trieb und Jungpflanze “ganz anders sozialisiert wurde“, und der - würde er heute in den Boden gebracht - mit Stressfaktoren wie Trockenheit ganz anders umgehen könnte. Ganz zu schweigen von fast periodisch wiederkehrenden Katastrophen wie Sturm und Borkenkäferinvasionen. Dynamisch nachhaltig, so Forstexperte Rapp, sei beispielsweise auch die Integration neuer Pflanzenarten wie die aus Nordamerika stammende Roteiche.

Wie aber die Aufgaben stemmen, etwa die Beseitigung von Sturmschadholz, deren Kosten für manch privaten Waldbesitzer oftmals viel höher sind oft als der Ertrag der Vermarktung?

Dafür steht aktuell ein immerhin 700 Millionen Euro schweres Programm des Bundes für den Erhalt und die nachhaltige Be-wirtschaftung der Wälder, teilte Friedlinde Gurr-Hirsch mit.

Die gesellschaftliche Akzeptanz für ein Konjunkturprogramm in dieser Größenordnung ist für die CDU-Abgeordnete gleicher-maßen Thema wie der erwartete Nutzen: „wir alle profitieren von diesem Programm – Land, Kommunen und die privaten Forstbesitzer“.

Eine Auffassung, die auch Gastgeber Karl-Eugen Graf von Neipperg teilte: „Wir erleben gerade eine Renaissance des ländlichen Raums. Was wir in die Bewirtschaftung des Waldes, seinen Erhalt und seine Zukunft investieren gibt er als Leistung an die Gesellschaft zurück.“

Es erinnert irgendwie an ein altes Sprichwort.

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