Inhaltsreicher Glasfaser- und Breitband Workshop in Eppingen

Staatsekretärin Friedlinde Gurr-Hirsch und Oberbürgermeister Klaus Holaschke luden ein

Wie steht es um die Breitbandförderung in Baden-Württemberg und im Landkreis Heilbronn? Zu dieser Frage hatte die Landtagsabgeordnete Friedlinde Gurr-Hirsch und der Vorsitzende des Gemeindetags, Kreisverband Heilbronn, Oberbürgermeister Holaschke in die Kraichgaustadt eingeladen. Hochkarätige Referenten präsentierten verschiedene Möglichkeiten und stellten sich danach in einem Podium den Fragen der Veranstaltungsteilnehmer.

„Wir wollen in Baden-Württemberg mit Hochgeschwindigkeit in das digitale Zeitalter starten. Eine flächendeckende und leistungsstarke digitale Infrastruktur ist die Lebensader der digitalen Gesellschaft. Die Landesregierung sieht den Breitbandausbau als zentrale strukturpolitische Herausforderung. Deshalb ist Baden-Württemberg eines der wenigen Bundesländer, das ein eigenes Förderprogramm für den kommunalen Breitbandausbau finanziert“, so Staatssekretärin Gurr-Hirsch bei ihrer Begrüßung. Oberbürgermeister Holaschke, der den Gemeindetag vertrat, stellte fest, dass im Landkreis sehr unterschiedliche Leistungen vorhanden sind. So sei Siegelsbach zu 100 % versorgt und Cleebronn sei „entwicklungsfähig“. Der Referatsleiter für Breitbandförderung im Innenministerium, Dr. Michael Zügel, stellte die Strategie des Landes vor. Förderungsfähig seien nur potentiell Gigabit-fähige Technologien wie FTTH und FTTB, also keine Kupferleitungen! Dabei unterscheiden sich die Technologien u.a. durch die unterschiedlich hohen Investitionskosten. Förderungen sind dort möglich, wo der Markt nicht funktioniert (Marktversagen). Wichtig sei außerdem, dass der Zugang für Ditte gegeben sein müsse, also die Telekom nicht das alleinige Recht hat. Ebenso ist eine Mitbenutzung kommunaler Lehrrohre durch Anmieten wirtschaftlicher als eine Neuverlegung. Damit der bedarfsorientierte Ausbau sichergestellt ist, muss Baden-Württemberg sich auf die Förderung in ländlichen Räumen konzentrieren. Die jährlichen Fördermittel sollen von 100 Mio Euro auf bis zu 165 Mio Euro erhöht werden, je nach Modell. Laut Zügel sind Hauseigentümer bereit, bis zu 500 Euro für den Hausanschluss selbst zu zahlen. In Baden-Württemberg rechnet man für 2,3 Mio Anschlüsse mit Kosten von rund 6 Mrd. Euro. Zum Stand der Technik und der künftigen Entwicklung gab der Geschäftsführer der Teleconsult Kommunikationstechnik, Thomas Berkel, eine anschauliche Übersicht. Als Fazit stellte er klar, dass Digitalisierung die Chance sei, durch Einsatz vernetzter Sensoren und Aktoren und (Echtzeit)-Verarbeitung von Daten Prozesse in verschiedensten Lebensbereichen so zu automatisieren, dass Kommunen effizient und sicher bürgernahe Dienstleistungen erbringen können. Ebenso könne in der Industrie Wissensvorsprung und Wettbewerbsfähigkeit gesichert werden, sowie könne Energie kostengünstig und effizient eingesetzt werden, um nur ein paar Beispiele wiederzugeben. „Dazu bedarf es einer leistungsfähigen Breitband-Infrastruktur, nämlich der Glasfaser“, so Berkel. Thilo Kübler, der Referent für die Breitbandberatung Baden-Württemberg informierte die interessierten Teilnehmer über die Wirtschaftlichkeit von LWL-Netzen (Lichtwellenleiter) der öffentlichen Hand und deren Vorteile für das Gewerbe und die Bevölkerung. „Ein zukünftiger Bedarf an Breitbandanschlüssen wird durch die Anforderungen in der Zukunft definiert und nicht durch die technologischen Schranken der heute zu meist verwendeten Technologien“, so Kübler. Dieser Bedarf könne künftig nur durch rein glasfaserbasierte Netze (FFTB/H) gedeckt werden. Ebenfalls seien die politischen Forderungen zur Gigabitgesellschaft nur durch rein glasfaserbasierte Netze umsetzbar. Ein „Best-Practice-Beispiel“ eines kreisweiten LWL-Netztes wurde von Andreas Knörle aus dem Landkreis Calw vorgestellt. Der Landkreis Calw errichtet durch den dazu gegründeten EBLC ein landkreisweites Glasfaser - Backbonenetz mit Übergabepunkten an die Kommunen. Diese bauen in den nächsten Jahren eigenverantwortlich sukzessive, parallel zum Backbone, ihre innerörtlichen Verteilnetze aus. Innerörtliche Verteilnetze und Backbone-Trassen können dabei zu einer Baumaßnahme gebündelt werden. Somit soll ein Gesamtgeflecht aus Backbone und innerörtlichen Verteilnetzen auf passiver Ebene entstehen. Bei der abschließenden Diskussion, fachlich kompetent moderiert durch den Ersten Beigeordneten des Gemeindetags Baden-Württemberg, Steffen Jäger, konnten sich die Teilnehmer intensiv zu den Themen austauschen. Gruppenbild: hinten v.l.n.r.: Thomas Berkel, Dr. Michael Zügel, Andreas Knörle ; vorne v.l.n.r.: Steffen Jäger, Oberbürgermeister Klaus Holaschke, Staatssekretärin Friedlinde Gurr-Hirsch MdL, Thilo Kübler.

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