Gurr-Hirsch eröffnet Ausstellung in Botenheimer Kelter

„Fromme und tüchtige Leute“ – die deutschen Siedlungen in Bessarabien 1812-1940

Der Titel der Ausstellung „Fromme und tüchtige Leute“ charakterisiert vortrefflich die Menschen, die 125 Jahre lang als deutsche Kolonisten in dem Landstrich lebten, der heute größtenteils in Moldawien und zum Teil in der Urkaine liegt.

Rund 9000 Frauen und Männer wanderten ab 1812 aus dem deutschen Südwesten aus, um auf Einladung des russischen Zaren ein neues Leben zu beginnen. Die Gründe für die Auswanderung waren vielfältig: meist bewogen religiöse Gründe, aber auch Unterdrückung und Hungersnot den beschwerlichen Weg von 2000 km aufzunehmen. In den folgenden 125 Jahren entwickelte sich eine eigene Kultur, die sich neben den mitgebrachten Traditionen auch aus den anderen Volksgruppen speiste. Die erste große Auswanderungswelle von rund 26000 Menschen begann dann 1874, als Russland das Versprechen der Freistellung von der Wehrpflicht brach.

Mit dem Ausbruch des Ersten Weltkrieges wurden die Deutschen dann zu „Staatsfeinden“, eine Deportation nach Sibirien drohte.  1940 mussten weitere 935000 Deutsche als Folge des deutsch-sowjetischen Nichtangriffspakts ihre Heimat in Bessarabien wieder verlassen. Tiefe Einschnitte folgten bis zur Umsiedlung nach Polen 1940 und der Flucht nach Westen 1945. Viele kamen zurück nach Baden und Württemberg, von wo ihre Vorfahren einst wegzogen. Staatssekretärin Friedlinde Gurr-Hirsch dankte Christina Till, der Organisatorin der Veranstaltung und betonte besonders, dass die Balance zwischen der Wahrung der eigenen Identität und der Integration bei den Bessarabiendeutschen vorbildlich gelungen sei, was das große Engagement im Vereinsleben vor Ort aber auch die vielfältigen Aktivitäten zur Pflege der Traditionen zeigten: „Sie sind eine wichtige Stütze unserer Gesellschaft und des Ehrenamts.“

 

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