CDU-Stadtverband Lauffen a. N. und Friedlinde Gurr-Hirsch luden zur Diskussion

„Bei der Energiewende fragen wir heute nicht mehr nach dem ‚ob‘, sondern nur noch nach dem ‚wie‘“, stellte die CDU-Landtagsabgeordnete Friedlinde Gurr-Hirsch bei einer von ihr initiierten Diskussionsveranstaltung fest. Die Entscheidung, in der Folge der Reaktorkatastrophe von Fukushima bis 2022 aus der Kernenergie auszusteigen, habe weitreichende Folgen für die Energie- wie die Kulturlandschaft, so die Politikerin. In Lauffen, das von geplanten Windkraftstandorten auf der Gemarkung der Nachbarkommunen betroffen wäre, war der Gesprächsbedarf hoch. Friedlinde Gurr-Hirsch gab zu bedenken, dass Baden-Württemberg als eine der wirtschaftsstärksten Regionen in Europa auf eine sichere und bezahlbare Energieversorgung angewiesen sei. Die Bundesregierung hat für Deutschland mit Blick auf den Klimawandel das Ziel, bis zum Jahr 2050 50% weniger Energie zu verbrauchen, mindestens 80% des Energiebedarfs aus Erneuerbaren Energien zu decken und die Treibhausgasemissionen um 90% zu reduzieren. Verglichen mit anderen Erneuerbaren Energien, so die CDU-Politikerin, sei die Windkraft die effizienteste Erzeugungsform. Die CDU-Landtagsfraktion wolle, wie die grün-rote Landesregierung, einen Zuwachs der Windenergie am Stromverbrauch in Baden-Württemberg um 10 Prozent bis zum Jahr 2020. Die grün-rote Landesregierung wolle jedoch diese Energiemenge ausschließlich im Land selbst produzieren, was zu einem Bedarf von etwa 1200 zusätzlichen Windrädern führt. Die CDU plane, die Hälfte des Windenergiebedarfs in Offshore-Anlagen in Nord- und Ostsee zu produzieren, da dort günstigere Bedingungen herrschen. In den vergangenen 4 Jahren wurden jedoch in Baden-Württemberg extrem wenige neue Windräder gebaut, sodass nach aktuellem Stand die 1200 geplanten Windräder bei weitem verfehlt werden. „Einer der Hauptgründe für den schleppenden Fortschritt beim Windkraftausbau ist die Überarbeitung des Landesplanungsgesetzes durch Grün-Rot. Sie haben darin keine konkrete Zuständigkeit mehr für die Planung verankert, was dazu führt, dass jeder vor sich hin plant und keine strategische Steuerung stattfindet. Am Ende leiden darunter alle“, kritisierte die Abgeordnete. 
Der Direktor des Regionalverbands Heilbronn-Franken, Klaus Mandel, schilderte in einem Vortrag den mehrstufigen Planungsprozess, den die Region in den letzten Jahren durchgeführt hat. Der Nordosten des Landes sei, so Mandel, der landesweit windstärkste Standort, sodass große Erwartungen erwuchsen. In der Planung wurden zunächst die Ausschlussflächen festgelegt, die sich durch Siedlungsflächen, Mindestabstände, Naturschutzbelange, Infrastruktureinrichtungen, einem ausreichend starken Wind und vielen weiteren Kriterien ergeben. Im Landkreis Heilbronn, der sehr dicht bewohnt ist, sei nur ein Standort im Hardthäuser Wald übriggeblieben. Schließlich sei aus Sicht des Regionalverbands auch wichtig, dass nicht nur vereinzelte Windräder, sondern an einem Standort mehrere Anlagen gebaut werden können. 
In der anschließenden Diskussion standen zusätzlich der Lauffener Bürgermeister Klaus-Peter Waldenberger und Manfred Haberzettel von der EnBW als Experte auf dem Gebiet der Produktion erneuerbarer Energien Rede und Antwort. Im Zentrum stand dabei die ursprünglich an der Lauffener Gemarkungsgrenze und Wohnbebauung geplanten Windkraftstandorte in Kirchheim. Problematisch war, dass es keine übergeordnete Steuerung gab. Bürgermeister Waldenberger kritisierte scharf, dass die Stadt Lauffen zu keinem Zeitpunkt über die Planungen informiert oder einbezogen wurde. Innerhalb der Verwaltungsgemeinschaft mit Nordheim und Neckarwestheim seien auch mögliche Standorte identifiziert und mit betroffenen Nachbarn interkommunal abgestimmt worden. Manfred Haberzettel betonte in seinen Beiträgen, dass die Energiewende zu schaffen sei, aber die dezentrale Energieproduktion etwas völlig anderes ist als die bisherigen zentralen Großkraftwerke. „Die Energie kommt zum Bürger – wir stecken mitten in einer Revolution unseres Energieversorgungssystems“, so der Energieexperte. Weitere Fragen aus dem Publikum zu Themen wie Speicherkapazitäten, Infraschallbelastung, Offshoreproduktion und weiteren Erneuerbaren Energien beantwortete der EnBW-Vertreter sehr kompetent. Er betonte dabei, dass für die Investoren Rechtssicherheit wichtigste Voraussetzung ist. „Wir brauchen schlagkräftige Planungsstrukturen unter Einbeziehung der betroffenen Bürger, die klare und nachvollziehbare Standorte ausweisen. Die aktuelle Landesregierung schaffte das Gegenteil“, fasste die CDU-Politikerin Gurr-Hirsch ihren Eindruck der Diskussion zusammen.
 

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