Viele interessierte Gäste bei Diskussionsveranstaltung mit Friedlinde Gurr-Hirsch

„Die große Zahl der interessierten Teilnehmer verdeutlicht die Relevanz, die das Thema Ökopunktehandel hat“, betonte die CDU-Landtagsabgeordnete des Wahlkreises Eppingen, Friedlinde Gurr-Hirsch, anlässlich einer von ihr organisierten Diskussionsveranstaltung in Bad Rappenau-Obergimpern. Im Jahr 2011 wurde mit der Ökokontoverordnung ein System eingeführt, das Eingriffe in Natur und Landschaft durch ökologische Ausgleichsmaßnahmen kompensiert. Der Geschäftsführer der Flächenagentur Baden-Württemberg, Bernd Kübler, erklärte den Mechanismus, der dahinter steckt. Wenn Flächen für Neubaugebiete, Straßen oder Gewerbegebiete „verbraucht“ werden, müssen an anderer Stelle Flächen in einen ökologisch höherwertigen Zustand gebracht werden. Durch Maßnahmen, die dieses Ziel verfolgen, können Gemeinden, Stiftungen, Unternehmen und Landwirte sogenannte Ökopunkte generieren, die sie entweder für eigene Infrastrukturprojekte verwenden oder an andere Bauträger veräußern können. Für ein etwa zehn Hektar großes Baugebiet müssen andernorts ca. 320.000 Ökopunkte erwirtschaftet werden. „Der Vorteil der Ökopunkteverordnung ist, dass Ausgleichsmaßnahmen gewissermaßen ‚auf Vorrat‘ durchgeführt werden können - man kann sich das auch als Naturschutz-Sparbuch vorstellen. Gerade für Landwirte ist dieses System eine Möglichkeit zur Diversifikation“, erläuterte Friedlinde Gurr-Hirsch. „Ich sehe noch ein großes Potential für einen Ausbau des Ökopunktehandels. Deshalb fordere ich, dass auch Maßnahmen, die dem Erhalt und der Pflege unserer Kulturlandschaft dienen, wie beispielsweise im Steillagenweinbau oder bei Streuobstwiesen, verstärkt zur Generierung von Ökopunkten anerkannt werden“, so die CDU-Politikerin. Dafür sprächen insbesondere zwei Gründe: Einerseits seien Landschaftselemente wie Steillagenweinberge oder Streuobstwiesen gerade durch die landwirtschaftliche Nutzung einzigartige ökologische Biotope, deren Bewirtschaftung sich jedoch betriebswirtschaftlich kaum noch lohnt. Andererseits gelte es in unserer dicht besiedelten Kulturlandschaft, die Interessen von Landwirtschaft, Wohnbau und Infrastruktur auszugleichen. Deshalb sollte der Fokus von Ausgleichsmaßnahmen auf ökologisch besonders hochwertigen Maßnahmen liegen und weniger auf der flächenmäßigen Ausdehnung. Qualität vor Quantität, so Gurr-Hirsch, müsse das Leitbild sein. In der anschließenden Diskussion kamen viele Fragen zur praktischen Anwendung eines Ökokontos auf, z.B., wie der Preis für einen Ökopunkt zustande kommt. Unter anderem wurde auch kritisch bewertet, dass die einzelnen Maßnahmen zur Ökopunktegenerierung jeweils von Fachkundigen begutachtet werden müssen, was wiederum zu einem teuren und bürokratischen Hindernis führen kann. „Ich sehe verschiedene Stellschrauben für eine Verbesserung des Systems, aber ich glaube, dass der Ökopunktehandel ein wichtiges Element für die Zukunft des Ländlichen Raums ist“, so Friedlinde Gurr-Hirschs Fazit der Veranstaltung.

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