Steigende Zahl von Gymnasiasten ohne Gymnasialempfehlung

Fast jeder sechste Gymnasiast ohne entsprechende Grundschulempfehlung

Wie steht es um unsere Gymnasien? Diese Frage stellten sich die drei Landtagsabgeordneten der CDU im Stadt- und Landkreis Heilbronn, Friedlinde Gurr-Hirsch, Dr. Bernhard Lasotta und Alexander Throm. In einer parlamentarischen Initiative befragten sie deshalb das Kultusministerium. Ein gravierendes Ergebnis der Stellungnahme von Kultusminister Stoch (SPD): Die Zahl der Schüler an Gymnasien im Stadt- und Landkreis Heilbronn, die keine Empfehlung für den Besuch dieser Schulart haben, nahm in den vergangenen drei Schuljahren extrem zu. „Bevor die Verbindlichkeit der Grundschulempfehlung abgeschafft wurde, war dieser Anteil mit unter einem Prozent vernachlässigbar klein. Danach stieg der Anteil sprunghaft auf heute knapp 15 Prozent an“, erläutern die Abgeordneten die Zahlen. Alle drei Abgeordneten empfinden diese Entwicklung als besorgniserregend und falsch. „Aus unserer Sicht war die Freigabe der Verbindlichkeit der Grundschulempfehlung ein unvorbereiteter Schritt mit erheblichen Folgen für die Gymnasien. Die Landesregierung muss hier entgegensteuern, um die Qualität der Lehre an den Gymnasien nicht zu gefährden. Aus ideologischen Gründen lässt sie es aber bleiben“, so die gemeinsame Schlussfolgerung der Abgeordneten. Die zunehmende Heterogenität an den Gymnasien wird sich in der Qualität der Lehre niederschlagen, so Dr. Bernhard Lasotta. Das gelte umso mehr, als die Lehrerzahlen seit Jahren zurückgehen. Zwar gingen auch die Schülerzahlen zurück. Die enorm angestiegene Heterogenität mache jedoch die ‚demografische Rendite‘ zunichte – im Gegenteil müssten vor diesem Hintergrund mehr Lehrkräfte eingestellt werden. „Das schlimmste ist, dass die grün-rote Landesregierung Eltern und Schüler einfach alleine lässt“, meinen die drei CDU-Politiker. Es wäre viel wichtiger gewesen, mehr die Beratung der Eltern und Schüler zu investieren, als einfach die Verbindlichkeit der Grundschulempfehlung aufzuheben. „Unser Schulsystem zeichnet sich im Kern dadurch aus, dass es ‚keinen Abschluss ohne Anschluss‘ und damit für jedes Kind die richtige Schullaufbahn gibt, und es war mit diesem Grundsatz sehr erfolgreich. Früher wurde kein Kind abgeschrieben. Wenn heute jedoch Kinder ins Gymnasium geschickt werden, die dem Unterricht nur schwer folgen können, dann ist das nicht nur eine Gefahr für diese Schulart. Ein Teil der Kinder wird überfordert und verliert vielleicht sogar den Spaß am Lernen. Das fördert nicht die Leistung, sondern die Frustration der Schüler“, so die drei Abgeordneten. Man könne, so die Abgeordneten weiter, die Grundschulempfehlung zwar nicht mehr zur verpflichtenden Grundlage des Besuchs einer weiterführenden Schule machen, aber man müsse dringend die Beratung intensivieren: „Wir wollen eine Schullaufbahnberatung von der ersten Klasse bis zum Abschluss. Zu denken, der Mensch fängt erst mit dem Abitur an, führt in die Irre. Deshalb stehen wir für ein differenziertes Schulsystem, das die Verschiedenartigkeit der Schüler akzeptiert und nicht alle Schüler über einen Kamm schert.“

 

Die Parlamentarische Initiative, die dieser Pressemitteilung zugrunde liegt, können Sie hier abrufen:

http://www.landtag-bw.de/files/live/sites/LTBW/files/dokumente/WP15/Drucksachen/7000/15_7422_D.pdf

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