Friedlinde Gurr-Hirsch hält Prominentenpredigt in Böckingen

Was bedeutet Christsein in der heutigen Zeit – vor allem, wenn man von Beruf Politiker ist? Diese Frage war die Grundlage für Friedlinde Gurr-Hirschs Predigt in der Auferstehungskirche in Böckingen. Sie selbst sei gläubige Christin und freute sich über die Einladung von Pfarrer Karl-Werner Weißbeck. Welche Anregungen und Leitlinien die Bibel heutigen Politikern an die Hand gibt, ergründete die CDU-Politikerin anhand eines Verses aus dem Alten Testament: „Suchet der Stadt Bestes“ heißt es in Jeremia 29:7. „Dieser Vers verdeutlicht den politischen und gesellschaftlichen Gestaltungsauftrag, den Christen und die Kirche haben“, so die Auslegung durch Gurr-Hirsch. Insbesondere mit Hinblick auf die aktuelle Flüchtlingssituation sagte sie, dass es unsere Pflicht als Christen sei, verfolgte Menschen aufzunehmen: „Es gibt derzeit so viele engagierte und aktive Christen, die sich um die Flüchtlinge kümmern. Das ist gelebter Glaube.“ Die Landtagsabgeordnete ist überzeugt, dass auch dem von Herodes verfolgten Jesus in Deutschland Asyl gewährt worden wäre. Aber auch schon in Zeiten des Alten Testaments habe es Wirtschaftsflüchtlinge gegeben: „Allen voran Abraham, der das Land Kanaan verließ, weil dort Hungersnöte herrschten.“
Viele Menschen fürchteten sich derzeit vor einem Bedeutungsverlust des christlichen Glaubens, da viele Andersgläubige unter den Asylbewerbern seien. „Die größte Gefahr für einen Bedeutungsverlust der Kirchen geht aber nicht von andersgläubigen Mitbürgern aus, sondern von inaktiven Gläubigen. Die Mitglieder müssen aktiv mitwirken und Kirche leben und gestalten. Leider gibt es immer mehr Austritte und die Kirchen sind am Sonntag leer“, gab die stellvertretende Vorsitzende der CDU-Landtagsfraktion den Gläubigen zu denken. Es sei aber umso wichtiger, in einer pluralen Gesellschaft Stellung zu beziehen. „Ein Beispiel, gegen das ich mich schon lange einsetze, ist die Vollverschleierung von Frauen durch die Burka. Solche Kleidervorschriften sind eine Gefahr für die Gleichstellung von Mann und Frau, die in unserem Grundgesetz verankert ist.“
Einen ganz persönlichen Teil der Predigt widmete Friedlinde Gurr-Hirsch einer Krankheitserfahrung aus dem Sommer. „Gott wollte mich noch nicht bei sich haben, aber er hat mich gerufen und in wundersamer Weise bewahrt“, schilderte die Abgeordnete ihre Erfahrung mit einem Herzkammerflimmern während des Joggens am 30. Juni. Sie betrachte es als göttliche Fügung, dass an jenem Tag zufällig drei Menschen einer Fahrgemeinschaft, dazu noch alle drei ausgebildete Ersthelfer, genau dort zur Stelle waren und sie reanimierten, bis Notarzt und Krankenwagen vor Ort waren. „Ich danke Gott für meine Gesundheit, die ich so schnell wiedererlangt habe“, schloss Gurr-Hirsch.

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